MRL-Reise 2016 Bonschur und orwuar – Männerriege Löhningen auf Reisen im Wälschland

Dieses Jahr war die Reise gemütlicher als geplant, ausser für einen, der war noch zu Hause als der Bus in Löhningen ankam. Dank seinem Auto schaffte er gerade noch den Sprung auf den Zug.

Züri-Basel-Delément, un moment, s’il vous plait un Seyval Blanc. Der Wein war besser als der Reim und wurde in vollen Zügen genossen.

In Perrentruy hatten wir etwas Zeit für die im Freien ausgestellten Dinosaurierabdrücke. Beeindruckend, wie Spuren so lange überdauern können. Nach den Brötchen ging es zurück zum Bahnhof, wo uns eine nette Chauffeurin empfing. Da griffen die ersten tief in die rechte Hosentasche und zückten so etwas wie ein bonschur (bonjour) hervor. Dabei blieb es auch. Gleich ausserhalb der Stadt waren bereits die ersten Pferdchen zu sehen, jöö, so schöön.

Zwei junge Hühner waren auch dabei. Beim Abschied vom ersten Hünchen wurde das erweiterte französisch gezückt, ein orwar (au revoir) ertönte. Der Rest blieb mehr oder weniger auf deutsch.

Der Bus brummte, aber auch unsere Bäuche. So nahmen wir einen feinen Zmittag zu uns und bewegten uns langsam zum Highlight unseres Ausflugs, die Grotten von Réclère. Eine Tropfsteinhöhle voller Kalkzapfen. Wie heissen nun welche? Die hängenden sind die Stalaktitten, naturgemäss hängen sie von Jahr zu Jahr immer mehr. Deshalb weiss ich auch, dass die von unten Stalagmiten heissen. Und wenn sich mal so zwei treffen, werden sie zu einem Stalagnaten.

Oberhalb der Tropsteinhöhle ist der Préhisto-Parc, da schlenderten wir durch den Wald und betrachteten eine Vielzahl von Dinosaurierskulpturen. Irgendwann kamen wir an einem Aussichtsturm vorbei und irgendwie gibt es solche, die wollen unbedingt auf jeder Reise einmal irgendwo herunterrutschen, auch wenn es nur eine Wendeltreppe vom Aussichtsturm ist, „ich rutsch jetz do abä“. Gesagt, getan. Da es doch nicht ganz so planmässig war und aus Schock das Bein hochschnellte, erhielt der Vordere noch einen Arschtritt verpasst (da guckten beide blöd aus der Wäsche). Nichts passiert, weiter gehts, und zwar Richtung Abendessen. Da denke ich gerne nochmals zurück, an den knusprigen Toast mit sensationeller Pilzsauce übergossen. Danach ein feiner Fisch mit… weiss nicht mehr, Demenz sei Dank, aber gut war es.

Jetzt muss ich nochmals zur Gemütlichkeit der Reise ausholen. Geplant war eine Wanderung von 15km mit anschliessendem Zoobesuch in Basel. Allerdings sollte unser Sonntag der feuchteste Tag im September werden, 100% Regenwahrscheinlichkeit, Tendenz steigend. Wobei wir am Morgen entscheiden werden. Das Morgenbuffet wollten die Gastgeber nicht vor 8 Uhr eröffnen, doch unser Abmarsch war auf 8.30 Uhr geplant. Das knappe Zeitfenster fürs Morgenessen liess zum Teil leichte Panik ausbreiten, „da schafff ich niä, cha ersch nochem Zmorge gaggälä“ (vom Autor verharmlostes Wort). So wurde das Morgenessen bis 8.45 Uhr verlängert, ein Aufatmen war zu hören. Den Rest des Abends liessen wir relativ schnell ausklingen.

Mir wurde erst am nächsten Morgen bewusst, wie modern das Hotel eigentlich war. Da bekommt Airpost eine ganz neue Bedeutung, das Schnürlitelefon kann sich da verstecken. Im Zimmer oben wird gefurzt und unten gehört. Lüftungsschacht sei Dank. Dann halten wir halt eine Sitzung mit Gespräch ab. Punkt 0800 stand die hungrige Männerriege parat, Kaffeemaschine läuft heiss, nach uns gab es kein Wasser und keine Bohnen mehr.

Obwohl ich die 15km gerne genommen hätte, entschieden wir uns gegen den starken Regen und dichten Nebel. So konnte jeder in aller Ruhe noch das WC in Beschlag nehmen oder eine Runde jassen.

Dann hiess es auf nach Basel, da wartet der Baslerzoo auf uns. Aus dem Zug ausgestiegen, tümpelten wir in der Mitte des Perrons wie eine Gruppe von Pinguinen herum. Der Zoo war, naja, ach, wie soll ich sagen, als jemand Brauerei Fischerstube mit dem Ueli Bier vorschlug, sprangen die Herzen plötzlich viel stärker.

Ein knappes mehr (16 zu 0 Stimmen) entschied sich für Ueli. Ueli wartete auf uns am Ende des gemütlichen Spaziergangs durch die beeindruckende Altstadt mit einpaar Stiefäli Bier. Als Dank sangen wir ihm das Lied „äs Stiefäli muäs stärbä“. Mehr schlecht als recht, üben würde nicht schaden, aber Spass machte es trotzdem. Mit dem Ueli im Bauch begaben wir uns auf den Nachhauseweg.

In Löhningen angekommen wartete bereits der Abholdienst bestehend aus Frau und Kind, allerdings werden es jedes Jahr weniger. Spätestens wenn mehr „tschau” als „hoi” sagen kommen, müssen wir uns langsam Gedanken machen. In diesem Sinne freuen wir uns alle auf die nächste Reise.

Für diese allerdings danke ich herzlichst Heinz. Danke Heinz.

 

Domagoj Margetic

Männerriege Löhningen

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