Männerriegenreise, 20. / 21. September 2008
Die diesjährige Männerriegenreise versprach gemäss Programm von Viktor Spörndli ein absolutes Highlight zu werden. Es war deshalb auch nicht erstaunlich, dass sich 26 Männerriegler für diese Reise angemeldet hatten!
Nun, am frühen Samstagmorgen, genau gesagt um 06:30 besammelten sich deshalb die reisefreudigen Männer an der Bushaltestelle Löhningen um die erste Etappe nach Schaffhausen in Angriff zu nehmen. Gross war unser Erstaunen, als pünktlich um 06:40 Uhr kurz bevor der Buss seine Türen schloss, noch Bernhard Müller mit seinem Mountainbike reingeschlüpft kam. Der Bus setzte sich in Fahrt und Bernhard völlig ausser Atem, warf sich in einen Freien Sitz. Wecker nicht gestellt? Verschlafen? Warum, wieso? Wir erhielten keine Antwort – kurz vor Schaffhausen kam der Betroffene schliesslich wieder zu Atem.
Auf Perron 1 stiess zu unserer Erleichterung der Organisator der Reise, Vik, zu uns (was wäre denn eine Reise ohne Reiseführer) und wir bestiegen den reservierten Wagen.
Sie funktioniert halt noch – Vik’s SBB.
Die Fahrt nach Zürich verflog im Fluge, man hatte sich ja viel Neues zu erzählen.
Da Vik wusste, dass die Männerriegler recht schnell durstig werden, hatte er die SBB-Kantine im Zürcher Hauptbahnhof für uns geöffnet, sodass wir uns erst mal tüchtig stärken konnten.
Kurz nach halb zehn ging unsere Reise weiter nach Chur und Umsteigen auf die Rhätische Bahn, die uns in relativ gemächlicher aber sehenswerter Fahrt nach Sumtvig brachte.
Dem einen oder anderen Männerriegler kam diese Gegend aus der Militärzeit sehr bekannt vor und es wurden erfreuliche und eben auch andere Erinnerungen ausgetauscht.
Die kühle Temperatur in Sumvitg überraschte uns und ein paar Rufe nach „Kafi und Kafi fertig“ wurden von Vik geflissentlich überhört und er rief zur ersten Marschetappe.
Die Wanderung verlief aufwärts durch das Dorf und weiter zu den ersten in sattem grün liegenden Kuhweiden. Mittlerweile erreichten uns auch die warmen Sonnestrahlen und einer nach dem andern entledigte sich der warmen Kleider. Bereits schon gut an Höhe gewonnen, tat sich das Tal des Vorderrheins auf und wir konnten mit jedem Schritt die herrliche Bergwelt bewundern.
Wer geglaubt hatte, dass die Wanderung ein Spaziergang würde, wurde eines Besseren belehrt. Der Wanderweg wand sich steil den Hang empor und die Geschwindigkeit der Wandergruppe nahm zusehends ab. Die zunehmende Wärme der nun schon hoch am Himmel stehenden Sonne und die Anstrengung des Erklimmens des geschwungenen Pfades, trieb den Schweiss auf Stirn und Nacken. Kurz vor dem Dorf S. Benedtg rief Vik zur Mittagspause, die ohne Einwände umgesetzt wurde. Das Mitgebrachte im Rucksack wurde angezehrt und auch die eine und andere Flasche Löhninger Weins trugen zu Stärkung der Mannschaft bei.
Nach dem Mittagessen besuchten wir die Holzkirche, welche oberhalb des Dorfes stattlich Wache hielt. Weiter ging’s nun teils in wohligem Schatten der Föhren und teils in üppigen, langgestreckten Wanderwegen Richtung Disentis. Da uns jedoch beim letzten Dorf vor der Steigung nach Disentis ein grosser Durst plagte, kamen wir nicht darum herum, am grossen Tisch draussen vor der Dorfbeiz Platz zu nehmen und uns ein köstlich kühles Bier zu genehmigen. Die Wirtin war ab unserem Besuch so erfreut, dass sie uns eine runde einheimischen „Brustwärmer“ spendierte, der von uns Unterländern natürlich gerne entgegen genommen wurde.
Nach diesem wohlwollenden Empfang waren wir gut gerüstet die letzte Steigung nach Disentis in Angriff zu nehmen. Die Sonne spendete ihre letzten warmen Strahlen als wir im Hotel Sax bei Rolf Roost eintrafen. Er erwartete uns schon auf seiner Terrasse und empfing uns mit einem Glas Löhninger Rebensaft.
Die Bergluft muss Rolf gut getan haben, sieht er doch noch immer so aus wie an dem Tag, als er Löhningen verlassen hatte, und das ist, so denkt der Schreibende, rund zwanzig Jahre her.
Die ersehnte Dusche liess nicht lange auf sich warten und nach Dreiviertelstunden trafen wir uns alle im Stübli zu Kotteletten, Nüdeli und Gemüse wieder. Begeistert von Rolfs Kochkünsten genossen wir den Abend zusammen.
Es soll noch ein paar Männerriegler gegeben haben, die zu später Stunde im Dorf eine „Schwedenbar“ entdeckt hätten. Jedenfalls zeugten am Sonntagmorgen beim Frühstück „Malereien“ in den Gesichtern der Betroffenen, von unbenannten Abenteuern.
Mit einem Herzlichen Dankeschön verabschiedeten wir uns von Rolf und nach einer kurzen Bahnfahrt erreichten wir Sedrun zu einem weiteren Höhepunkt der Reise, der Besuch der ATG Baustelle. Nach einer ausführlichen theoretischen Einführung der Baustelle durch den Baustellenleiter waren wir gespannt, den Tunnel zu sehen. Alle fassten Stiefel, Helm, Jacke, Schutzbrille und Notatemgerät. Noch eine kurze Instruktion über die Sicherheit auf der Baustelle und wir waren bereit, die Tunnelbahn zu besteigen.
Eng in Dreierreihen sitzend schlossen sich dann die Metalltüren und ruckartig setzte sich das Bähnlein in Bewegung. Knarrend und quietschend fand das Bähnlein auf schmalen Schienen seinen Weg zum Tunneleingang, einen schnellen Gruss zur heiligen Barbara, und plötzlich waren wir vom Tageslicht getrennt, im Tunnel drin. Die Lampen an den Wänden spendeten spärlich Licht und wir konnten nur schemenhaft die Umgebung erkennen. Nach knappen zehn Minuten erkannten wir durch heftiges Einbremsen, dass wir das Ziel erreicht hatten. Eine völlig andere Welt tat uns auf, ein paar hundert Meter im Bergesinnern. Die mit Beton ausgekleideten Bergwände wölbten sich über uns und wir erfuhren durch unseren „Stollenführer“ vieles über tägliche Tätigkeiten im Tunnelbau. In einem Nebenstollen konnten wir die riesigen Rollen und die Einrichtungen für den Lift zum eigentlichen Basistunnel 800 Meter unter uns bestaunen. Wir begriffen, dass das Arbeiten unter Tag enorme Ansprüche an die Bergleute stellt.
Beeindruckt von der ausgeklügelten Technik, den enormen Arbeitsaufwänden im Bergbau und der Begeisterung der Bergleute, verliessen wir den Tunnel.
Die warme Sonne empfing uns und nach dem wohlverdienten Mittagessen im nahegelegenen Restaurant machten wir uns auf den letzten Fussmarsch dieser Reise.
Der wolkenlose Himmel und die sagenhafte Bergwelt begleiteten uns auf dem Wanderweg, der von grünen Wiesen umgeben sich sanft gegen Rueras hochschlängelte.
Welch faszinierende Schönheit!
Pünktlich, wie erwartet, konnten wir die Bahn nach Andermatt besteigen. Ächzend und mit Zahnrad unterstützt quälte sich der Zug Richtung Oberalp und nochmals hatten wir Gelegenheit diese einzigartige Natur zu geniessen.
Auf dem Oberalp erwarteten uns die ersten Nebelschwaden und als es abwärts Richtung Andermatt ging, waren wir völlig vom Nebel umschlungen – mit Sichtweiten von knapp 20 Metern! Überraschend wie schnell sich doch die Wetterverhältnisse in den Bergen ändern.
Weiter ging es mit dem Zug über Zürich nach Schaffhausen und die letzte Etappe, wie gewohnt, mit dem „Schlaatemer Bus“ nach Löhningen, wo uns ein Empfangskomitee von sehnsüchtigen Ehefrauen empfing.
Herzlichen Dank an Vik für die Organisation dieser aussergewöhnlichen und eindrucksvollen Männerriegenreise!
Der Schreibende
Arthur Ehrat
30. Dezember 2008

